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Rollentausch: Zwei Chefredakteure waren zum Interview mit mir bereit.

Geschrieben von Volker Geyer am

Malerische Wohnideen - Rollentausch

Ich wollte von ihnen wissen, wie sie zum Thema Weblog im Handwerk stehen. Ulrich Schweizer (Chefredakteur „Malerblatt“) und Matthias Heilig (Chefredakteur „Mappe“) mit mir im Ferngespräch.


Vor etwa drei Jahren haben die ersten Handwerksunternehmer ihr eigenes Weblog gestartet, gerade auch in der Malerbranche. Nach und nach kommen neue Weblogs von Maler- und anderen Handwerksunternehmen dazu. Da Sie beide sozusagen „vom Fach“ sind, sowohl was die Branche angeht, als auch was das Schreiben betrifft, interessieren mich Ihre Meinungen und Beobachtungen zu diesem Thema ganz besonders.

Frage 1:
Was haben Sie damals gedacht als Sie erfuhren/sahen, Malerunternehmer starten ihr eigenes Weblog?

M. Heilig (Mappe):
Ui, jetzt auch bei uns. Es war für mich nur eine Frage der Zeit, bis es Weblogs auch in unserer Branche gibt, die ja, was Online-Affinität betrifft, in der Breite noch großen Nachholbedarf gegenüber anderen Branchen hat. Es gibt eben immer welche, die vorangehen. Das sind meistens die Innovativen, die Beweglichen, diejenigen, die schnell erkennen, ob das Neue nützlich ist und etwas bringt.

U. Schweizer (Malerblatt):
Was ich mir dachte, als ich von den Weblogs im Malerhandwerk hörte? Ehrlich gesagt dachte ich nichts anderes als das, was ich zum Beispiel vor 20 Jahren dachte, wenn jemand ein cleveres Kooperationsmodell schuf oder eine vorbildliche Mailingaktion startete oder eine klasse Kleinanzeige schaltete: Schau an, das ist wieder einer der Top-Betriebe, einer der besten fünf Prozent, die die Nase vorn haben.
Und dieser Gedanke hatte gar nichts mit dem Thema Online zu tun, doch sehr viel damit, dass der entsprechende Betrieb wieder mal schneller und besser war als andere.
 
Frage 2:
Ich gehe davon aus, dass Sie die Maler-Weblogs regelmäßig in Ihrem Blickfeld haben. Wie sehen Sie die dortige Entwicklung und welche Zukunftschancen sehen Sie für Weblogs im (Maler-)Handwerk generell?

M. Heilig (Mappe):
Weblogs sagen viel über das Unternehmen und die Persönlichkeit des Verfassers aus. Wer sich dazu berufen fühlt und diese Art der Information und Kommunikation als einen möglichen Schritt auf dem Weg zum geschäftlichen Erfolg sieht, wird diesen Schritt gehen.
Weblogs kommen aber sicher nicht für jeden in Frage. So ist es wie bei vielen anderen Aktivitäten und Maßnahmen auch: Es ist nur eine von vielen Möglichkeiten. Jeder muss für sich entscheiden, ob es das Passende für sich und sein Unternehmen ist.
Insofern werden meiner Meinung nach Weblogs im Malerhandwerk kein Massenphänomen werden.

U. Schweizer (Malerblatt):
Die Weblogs habe ich zwar im Auge, doch nicht so häufig, wie mancher vielleicht denkt. Der Grund ist ein einfacher: Zwar beschwören viele Internet-Fans, dass alles schnell geht und nicht aufwendig ist, doch wegen des eigenen Spaßes damit blenden viele aus, wie zeitaufwendig das alles ist. Wenn ich bei Netz-Aktivitäten ehrlich stoppe, wie lange ich in Summe im Netz drin bin, dann erschrecke ich regelmäßig.
Aber wenn ich in den Weblogs drin bin, dann freue ich mich an gut gemachten Auftritten und sehe auch sehr gute Zukunfts-Chancen, nicht für Weblogs allgemein, sondern eben für gut gemachte. Massenhaft auftretende Weblogs, die hingerotzt werden und schlecht sind, braucht kein Mensch – und deren Betreiber machen damit auch keine Zusatzgeschäfte.
Mit Weblogs verhält es sich aber wie mit allen guten Aktivitäten: Der Vorsprung hält nur, solange es nur eine Minderheit macht. Würden 30 % oder mehr der Malerbetriebe ein Weblog bieten, wäre der Vorsprung komplett weg und die Endverbraucher würden nur noch stöhnen im Sinne von: Oh je, das nächste Dutzend Maler-Weblogs…

Frage  3:
Sehen Sie Maler-Weblogs für Ihr Branchenfachmagazin eher als Konkurrenten, oder als unterstützend -evtl. durch Zusammenarbeit- oder haben Weblogs von Malerbetrieben Ihrer Meinung nach keine Auswirkung auf Ihr Branchenmagazin?

M. Heilig (Mappe):
Man muss unterscheiden, an wen sich Maler-Weblogs richten. Üblicherweise und überwiegend bieten die Weblogs Einblicke ins Unternehmen und seine Aktivitäten, die für Kunden des Unternehmens, also Endverbraucher interessant sind. Darüber kommt dann eine Kommunikation zustande.
Ich sehe durch Weblogs für Branchenfachmagazine keine Konkurrenz. Art der Kommunikation, Qualität und Adressat der Information sind nicht 1:1 miteinander vergleichbar. Wohl aber sehe ich Auswirkungen, und zwar insofern, dass viele der in Weblogs verhandelten Themen eine hohe Relevanz für das redaktionelle Angebot der Fachzeitschriften haben.

U. Schweizer (Malerblatt):
Nein, als Konkurrenz sehe ich Maler-Weblogs überhaupt nicht. Das Malerblatt versucht, eine Informations-Auswahl zu treffen, so dass Unternehmer der Maler- und Stuckateurbranche Hilfe in ihrem Alltag bekommen. Wenn diejenigen Kollegen gerne Weblogs anderer Kollegen lesen, dann freue ich mich darüber. Aber das hat mit der Nutzung der Fachzeitschrift nichts zu tun. Und die meisten Weblogs sind ja eher für den Endverbraucher und somit für potenzielle Auftraggeber geschrieben, nicht für Kollegen/Wettbewerber.

Frage 4:
Sie beide sind Journalist, gehören zur schreibenden Zunft. Welche Tipps geben Sie bloggenden Handwerksmeister/innen aus Ihrer persönlichen Sicht?

M. Heilig (Mappe):
Spannend und aus dem echten Leben gegriffen erzählen, dabei authentisch und ehrlich sein. Das Ganze hat aber nur dann einen Sinn und macht allen Spaß, wenn man als Blogger wirklich Zeit und Lust dazu hat. Denn der Aufwand ist keinesfalls zu unterschätzen, ebenso die möglichen negativen Auswirkungen, etwa wenn man zu freimütig über Internes oder Personen berichtet. Das Internet vergisst nichts!
U. Schweizer (Malerblatt):
Mein Tipp, ganz klar: sich nicht verlieren darin und vor allem, sich selber nicht anlügen, was den Zeitaufwand betrifft. Das Malerblatt selber ist auf Twitter, auf Facebook, bietet die Online-Datenbank Malerblatt Wissen, hat einen Blog, ist auf google+, hat eine eigene App, arbeitet mit QR-Codes im Heft und betreibt erfolgreich einen wöchentlichen Mail-Newsletter. Weil die gute Pflege aber unglaublich viel Zeit braucht, sind unsere Auftritte noch verbesserungswürdig. Weiter: wer sich auf all diesen Feldern tummelt, der denkt automatisch immer parallel auch online und überlegt permanent, was er wann wo publizieren kann. Das kommt den Nutzern zugute. Allerdings: Für einen, der währenddessen persönlich als Gesprächspartner am Tisch sitzt ist es ein Schlag ins Gesicht, wenn das Gegenüber mehr auf sein Handy schielt als sich um das Live-Gespräch kümmert. Wer sich für die anwesenden Menschen keine Zeit mehr nimmt, weil er sich von den  Online-Auftritten terrorisieren lässt, der ist reif für eine Therapie und gefährdet seine Freundschaften.
Frage 5:
Etwa die Hälfte aller Handwerksbetriebe hat noch keine eigene Internetseite. Welche Botschaft können Sie diesen Firmen mit auf den Weg geben?

M. Heilig (Mappe):
An der Homepage kommt kein Malerbetrieb vorbei, will er künftig in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.
Allerdings: Es gibt sehr erfolgreiche Malerbetriebe, die ganz bewusst auf eine Internetpräsenz verzichten. Sie haben also ihre Gründe dafür. Ich befürchte aber, dass das Gros der Betriebe ohne Homepage keine echte Begründung dafür hat, warum sie keine Internetpräsenz haben.

U. Schweizer (Malerblatt):
Eine Internetpräsenz ist in der heutigen Zeit ein Muss. Hier geht es tatsächlich zuerst darum, dabei zu sein und auch über Suchmaschinen gefunden zu werden. Was dann auf die Website alles drauf soll? Weniger ist mehr! Lieber nur wenige Punkte übersichtlich als ein überfülltes Ding, auf dem man sich nicht orientieren kann und auf dem der Nutzer erst suchen muss.


Lieber Herr Heilig, lieber Herr Schweizer, ich freue mich sehr darüber, dass ich Sie für dieses Interview gewinnen konnte. Rollentausch! Malermeister interviewt Chefredakteure. Auch das ist eine Auswirkung von Social Media.

Übrigens: Sie beide und Ihre Magazine sind wertvoll für die gesamte Branche. Bleiben Sie so, wie Sie sind.

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