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Mein Interview mit Rainer Brüderle (Ex-Bundeswirtschaftsminister)

Geschrieben von Volker Geyer am

Malerische Wohnideen - Rainer Brüderle

Schon vor einiger Zeit hatte ich die Gelegenheit dem Spitzenpolitiker, Wirtschaftsexperten und Ex-Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle zu den Themen Kooperationen und Empfehlungen im Handwerk ein paar Fragen zu stellen. Nun möchte ich dieses Kurzinterview meinen Bloglesern nicht vorenthalten:

Frage: Wie sehen Sie allgemein die Marktchancen für Betriebe des Bau- und Wohnungshandwerks in Deutschland – und wie sehen Sie dazu im Verhältnis die Marktchancen für Betriebe, die regelmäßig empfehlenswerte und innovative Leistungen erbringen und somit positive Mund-zu-Mund-Propaganda auslösen?

Brüderle: Von der Finanz- und Wirtschaftskrise blieben fast keine Branche verschont. Gerade mittelständische Betriebe leiden außerdem nach wie vor unter der hohen Steuer- und Abgabenlast. Das Bauhandwerk mag zwar von den jetzt geplanten Sanierungen von Schulen und kommunalen Einrichtungen profitieren können.

Langfristig sind aber gute wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und ein mittelstandsfreundliches Klima entscheidender für den Erfolg der Handwerksbetriebe. Natürlich haben Betriebe, die in der Vergangenheit anerkannt gute Arbeit geleistet haben, bessere Chancen, Aufträge zu erhalten. Das gilt für die öffentliche Vergabe, aber auch für jeden Privatauftrag. Gute Qualität in der Vergangenheit ist die beste Werbung für die Zukunft.

Frage: Welchen Stellenwert hat für Sie als Verbraucher die vertrauenswürdige Empfehlung eines Handwerksbetriebes – und welche drei Eigenschaften wären für Sie als Verbraucher die wichtigsten, die ein Handwerksbetrieb besitzen muß, um empfehlenswert zu sein?

Brüderle: Für private Verbraucher lohnt es sich kaum, ausgiebige Marktstudien zu betreiben, um einen geeigneten Handwerker zu finden. Das ist meist viel zu aufwendig. Deshalb spielen persönliche Empfehlungen von Bekannten, die gute Erfahrungen mit einem Handwerksbetrieb gemacht haben, eine große Rolle. Für mich persönlich sollte ein Handwerksbetrieb vor allem zuverlässig, pünktlich und seinen Preis wert sein.

Frage: „Aperto“ ist ein Netzwerkverbund von ideenreichen und empfehlenswerten Wohn- und Handwerksbetrieben im Rhein-Main-Gebiet. Welche Vor- oder auch Nachteile für Betriebe und Kunden sehen Sie, wenn Handwerksbetriebe kundenorientiert kooperieren, welche weiteren Aspekte sehen Sie möglicherweise in einer solchen Zusammenarbeit?

Brüderle: Kooperationen kann es ja auf ganz verschiedenen Wegen geben. Das kann beim Erfahrungsaustausch anfangen, über gemeinsame Werbeanstrengungen bis zu gemeinsamen Bewerbungen auf größere Ausschreibungen gehen. Viele Kooperationen sind durchaus sinnvoll. Jeder Verbraucher wird beispielsweise dankbar sein, wenn sich die verschiedenen Handwerker beim Hausbau untereinander abstimmen. Allerdings ist die Grenze für Kooperationen dort erreicht, wo der Wettbewerb auf der Strecke bleibt. Aus Kooperationen dürfen keine Kartelle werden. 

Frage: Wie sehen Sie die allgemeine Zukunft solcher oder auch anderer Kooperationen im Handwerk?

Brüderle: Aus meiner Sicht werden Kooperationen zunehmen. Vor allem bei größeren öffentlichen Bauvorhaben können kleinere Handwerksbetriebe nur gemeinsam gegen größere Unternehmen konkurrieren. Das gilt vor allem für Bauvorhaben im Rahmen öffentlich-privater Partnerschaften, die sich im kommunalen Bereich größer werdender Beliebtheit erfreuen. Zunehmend bilden sich auch Einkaufs- oder Werbegemeinschaften von Handwerkern, um sich gegen die große Konkurrenz zu behaupten. Das wird sich sicher fortsetzen.

Frage: Wie gehen Sie persönlich in Ihrem Alltag mit Empfehlungen um und welchen Stellenwert haben diese für Sie und Ihre Mitmenschen? 

Brüderle: Ich persönlich halte viel von Empfehlungen von Freunden und guten Bekannten. Menschen, denen ich vertraue, traue ich auch ein fundiertes Urteil zu. Zwar muss letztlich jeder seine eigenen Erfahrungen machen; ich persönlich stelle aber immer wieder fest, daß ich mich auf Tipps von Freunden wirklich verlassen kann. 

Frage: Sehen Sie unsere Initiativen als wichtige, mithelfende Maßnahmen, die Vertrauenskrise im Handwerk zu überwinden – und wie können Sie sich vorstellen, unsere Initiativen zu unterstützen? 

Brüderle: Handwerksbetriebe leben sehr stark von Mund-zu-Mund-Propaganda, also davon, daß sich ihre gute Qualität herumspricht. Dessen sollten sich die Unternehmer allerdings auch bewußt sein und das selbst befördern. Politisch sollte das dadurch unterstützt werden, daß auf die hohe Qualität des deutschen Handwerks hingewiesen wird. Natürlich können wir nicht für einzelne Unternehmen werben. Der Staat sollte sich schließlich nicht in den privaten Wettbewerb einmischen. Aber Aufklärung über Kooperationsmöglichkeiten zum Beispiel bei öffentlichen Aufträgen kann eine ganz wichtige Sache sein. Ihre Initiativen können dazu ebenfalls einen wichtigen Beitrag leisten. Dafür wünsche ich Ihnen viel Erfolg.

Vielen Dank dafür Herr Brüderle, dass Sie sich für dieses Interview die Zeit genommen haben.

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